Iro iro na mono - Verschiedenes

Kreditkarten in Japan

In einem Buchladen in Kyôtô

Nach der Lektüre zahlreicher Reiseführer und den Hinweisen, dass der Tourist mit einer Visacard besser zurechtkommt als mit einer Mastercard, habe ich mir für unsere Japanreise eine Visacard besorgt. Diese wollte ich natürlich auch anwenden.

Die Gelegenheit ergab sich in Kyôtô, wo wir in einem grossen Buchladen zuschlugen. Ich hatte mir sozusagen an der Quelle einige japanische Lehrbücher ausgesucht, die ich in Deutschland sicher gar nicht oder nur sehr teuer erstehen konnte. Die Rechnung war dementsprechend hoch ausgefallen, was mich dazu veranlasste, meine Visacard zu zücken. Zur Vorsicht fragte ich zuvor noch die Verkäuferin "Kurejito kaato mo ii desu ka?" (Ist es ok, mit Kreditkarte zu zahlen?). "Hai" antwortete die Dame hinter der Kasse zuversichtlich, und ich reichte ihr die Karte

Statt aber wie erwartet die Karte durch ein Lesegerät zu ziehen oder wenigstens ein altertümliches Kartendaten-Kopiergerät aus der Schublade zu ziehen, hielt sich die Dame meine Karte fragend vors Gesicht, um dann hilfesuchend ihre Kollegin eine Frage zu stellen, deren Inhalt meinen geringen Japanisch-Kenntnissen leider zum Opfer fiel. Aber auch so verstanden wir: Sie hatte keine Ahnung, was sie mit der Karte anfangen sollte.

Nach einer Minute standen drei Damen giggelnd hinter der Kasse und berieten sich, wie sie Kreditkarte und Rechnung zusammenbringen können. Schliesslich wurde per Telefon das Problem weitergegeben. Offensichtlich war dieser letzte Schritt erfolgreich, denn danach kam doch noch das gesuchte Kopiergerät zum Vorschein, und ich konnte die Rechnung unterschreiben.

Angesichts der vielen Gaijin (Nicht-Japaner) und Nicht-japanischen Bücher im Laden hatte ich eigentlich doch erwartet, dass das Personal mit bargeldlosen Zahlungsmitteln besser zurecht käme. Aber Japan ist wohl immer noch ein Land des Scheins...cash country.

An einem Samstag in Nagasaki

Da ist es mir schon kalt den Rücken herunter gelaufen, an jenem Samstag in Nagasaki, als mir klar wurde, dass unser Bargeld verbraucht und keine Bank vor Montag zu erreichen war. Aber, kein Problem, dachte ich mir, du ziehst einfach Geld mit deiner Kreditkarte am ATM (Automatic Teller Machine, Geldautomat). Ich hatte mir zu meiner extra für Japan abonnierten Visacard auch eine Geheimnummer geben lassen.

Wir fanden in Bahnhofsnähe auch eine Bank mit ATM, wo ich jedoch mit nächstem Schrecken feststellen musste, dass die japanische Geldmaschine mit meiner deutschen Kreditkarte nichts anfangen wollte.

Nach dem dritten Versuch und nachfolgender Fehlermeldung nahte die Rettung - dachte ich. Eine Japanerin betrat den kleinen Raum, um ebenfalls Geld zu ziehen. Wir liessen ihr zu Beobachtungszwecken den Vorrang und sahen neidvoll zu, wie sie ruckzuck ihre Yenscheine einsteckte. Bevor Sie den Raum verlassen konnte, fragte ich sie (auf Japanisch), ob sie mir helfen könne, weil ich ein Problem mit meiner Kreditkarte hätte.

Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt, eine Vokabel verwechselt und etwas unanständiges gesagt, ich weiss nicht. Jedenfalls schaut sie mich ganz erschrocken an, sieht sogleich wieder zu Boden und verliess geradezu fluchtartig den Raum, wir zwei Gaijin immer noch bargeldlos staunend.

Der Notgroschen half uns dann aus der Patsche. 100 DM, die Reserve für Notfälle, konnten wir an der Rezeption eines nahegelegenen Hotels in Yen umtauschen. Die Japanerin haben wir aber nicht mehr gesehen.

-- 14.06.2001, Michael Otto