Ryokô - Reise

Ise - Ise

IseEinen Halt in Ise habe ich vor allem deswegen eingeplant, da ich im Vorfeld gelesen hatte, dass der aus dem 3. Jahrhundert stammende Ise-Schrein der heiligste Schrein Japans ist. Der aus über 200 Gebäuden bestehende Komplex wird alle 20 Jahre komplett neu gebaut, so will es ein Shinto-Brauch. Das Holz der alten, abgerissenen Gebäude wird dann als heiliges Holz in ganz Japan verteilt und dort zum Bau von weiteren Schreinen verwendet.

Alt aber kalt

Um von Hakone nach Orawara zu kommen, mussten wir einige Male umsteigen. Zunächst ging es mit dem Bus nach Odawara, dann mit dem Zug über Nagoya und Taki nach Ise. Der Schaffner hat uns noch darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit einer privaten Bahn gefahren sind, für die unser JR-Pass nicht galt. Tja, Gaijin-Bonus...

Vom Bahnhof dort sind wir zu Fuss zu unserem nächsten Ryokan, Hoshide, gelaufen, es hat ausnahmsweise mal nicht geregnet. Hoside ist ein altes Holz-Ryokan mit einer kleinen, hektischen Hausherrin, die uns im Maschinengewehr-Japanisch irgend etwas erzählte und dann verschwand. Das Zimmer war ernüchternd - ohne Fenster innenliegend, keine Heizung, nur einen Kotatsu, die Toiletten waren nach dem Geruch zu urteilen wohl seit dem Hausbau nicht mehr geputzt worden, und es gab um ganzen Haus keine Tür, die fest geschlossen, geschweige denn abgeschlossen werden konnte. Dadurch zog es durch alle Ritzen, und ich bin morgens mit einer gefrorenen Nase aufgewacht. Wie mag das wohl erst im Winter sein?

Der Ise-Schrein

Der Besuch des Schreins erwies sich nicht nur dadurch, dass es wieder zu regnen begonnen hatte, als enttäuschend. Viele Gebäude waren abgesperrt, kein Wunder wenn ständig neu gebaut wird. Nach kurzer Besichtigung machten wir uns wieder auf den Rückweg, noch ein wenig durch Ise streifend.

Da wir so ziemlich die einzigen Touristen und als Gaijin natürlich klar zu erkennen waren, wurden wir dort von einem älteren Japaner vom Fahrrad herab angesprochen. Wie sich herausstellte, war er im Krieg bei der Marine auch in Deutschland stationiert und kannte einige deutsche Städte. Er gab und seine Visitenkarte und wünschte uns noch eine gute Reise.

Sushi Take Away

Die Entscheidung, was es zum Abendessen gab, war nicht so schwer, denn gleich in der Nähe des Ryokans gab es einen Sushi-Laden, der weniger eine Sushi-Bar als vielmehr ein Take Away war. Mutig wagte ich in meinem gebrochenen Japanisch eine Bestellung, und es war tatsächlich korrekt und richtig lecker. So richtig warmhalten konnte uns diese Speise allerdings nicht. Nach kurzem Aufheizen der Füsse unter dem Kotatsu versuchten wir also bei ständigem Zugwind zu schlafen.

Japanisches Frühstück

Im Hoshige habe ich versuchsweise das japanische Frühstück mit geordert. Ich betrat den Frühstücksraum, in dem ausser niedrigen Tischen noch 4 gefüllte Reiskocher und einige Schälchen standen. Nachdem ich mich gesetzt und einige Minuten gewartet hatte, brachte mir Mama-san, die Hausherrin, Tee, eine Miso-Suppe, ein Stückchen gebratenen Fisch, grünen Salat (Tang?) mit winzigen Krabben und ein Schälchen mit kleinen silbernen Fischen und verschwand wieder.

Die Misosuppe, der Reis und der Bratfisch stellten mich vor keine Probleme, aber der Krabbensalat war schon mächtig fischig. Die Silberlinge schafften es dann nicht mehr in meinen Magen, weil ich mich so recht überwinden konnte, den Fisch samt Kopf und Schwanz runterzuschlucken. Ausserdem meinte Eva: "Du isst das nicht, das hat ja noch Augen!"

Mehr oder weniger gestärkt versuchten wir uns an einem weiteren Reiseziel: Toba. Dort wollten wir uns über Perlenzucht informieren.

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