Ryokô - Reise

Kyôtô - Kyoto

Kyoto, kleine GasseNach den verregneten Tagen freuten wir uns auf die nächste Station, der ich immer 4 Tage zugestanden hatte, denn für mich war Kyôtô das Highlight der Reise (für Eva als Geologin kam das Highlight eher später beim Mt. Aso).

Die Einfahrt in den Bahnhof von Kyôtô war, nachdem wir schon in Tôkyô an trostlosen Häuserfronten vorbeigefahren waren, keine grosse Überraschung. Allerdings war es ernüchternd, nach den grossen Erwartungen, die wir durch Reiseführer geweckt an diese Stadt gestellt hatten, von der Bahn an den schmucklosen Wohnvierteln vorbeigeführt zu werden.

Am Bahnhof nahmen wir uns direkt ein Taxi, ohne zu versuchen, unser Ryokan zu Fuss zu erreichen. Weiser Entschluss, denn selbst der Taxifahrer fand das Ryokan nicht auf anhieb. Er wühlte zunächst im Stapel der Stadtpläne, die neben seinem Sitz lagen. Auf diese Weise näherten wir uns schonmal dem richtigen Stadtviertel. Dort angekommen fragte er sich bei Besitzern kleiner Läden durch, bis wir schliesslich die richtige Strasse erreichten. Das Bild oben zeigt die Gasse, in der unser Ryokan Seiki lag. Dieser Ausblick beruhigte mich und erfüllte wieder meine Vorstellungen.

Infos am TIC

Kyoto MapNach dem Abladen der Sachen in unserem kleinen Zimmer im Ryokan bekamen wir von der Besitzerin noch einen Übersitzplan von Higashiyama Area (Ostberge-Gegend), auf dem auch das Ryokan verzeichnet war. Da es in der Nähe des Bahnhofes lag, wo auch das TIC (Tourist Information Center) zu finden war, brachen wir kurz danach wieder auf.

Das TIC ist tatsächlich zu empfehlen: Dort bekamen wir die "Walking Map of Kyoto", kleinere Brochüren und das Faltblatt "Walking Tour Courses in Kyoto" der JNTO (Japan National Tourist Organization).

Ginkakuji

Neben den Taxen ist in Kyôtô Busfahren angesagt. Die Busses haben Festpreise, 1997 waren es 220 Yen pro Fahrt (in Kleingeld, dass wir versuchten, bei kleinen Einkäufen immer zu sammeln). Trotzdem gönnten wir uns an diesem Tag ein Taxi zu unserem ersten Tempel, dem Ginkakuji.

Der Tempel selbst war nicht von Silber überzogen, wie der Name andeutet, aber die umgebenen Gärten waren wunderschön. Dort sahen wir auch unseren ersten Steingarten und spazierten auf den Pfaden mit vielen anderen Touristen durch einen kunstvoll angelegten Garten.

KyotoAn einer Stelle des Gartens gab es mit einer roten Decke überzogene Tische. Als wir dort erschienen, war sonst niemand zu sehen, und ich fragte mich (ganz der Gaijin), wie ich wohl an diesen niedrigen Tischen sitzen sollte. Musste ich mich auf den Boden setzen?

Dann kamen die ersten Japaner, die sich natürlich auf den Tisch setzten, der eigentlich eine breite Sitzbank ohne Lehne war. Was solls, hat ja keiner gesehen. Jedenfalls war mir nicht mehr nach hinsetzen zumute, daher nahmen wir direkten Kurs auf den Philosophenpfad.

Der Philosophenpfad

PhilosophenpfadEndlich bescherte uns der japanische Peturus Sonne und Wärme, und der Philosophenpfad, der am Ginkakuji beginnt und entlang eines Kanals verläuft, war beinahe überdacht von einer rosa-weissen Kirschblüten-Pracht. Diese Fülle lockte natürlich viele Menschen an, aber der Weg war nicht überfüllt.

Lustwandeln macht durstig, und unterwegs kauften wir, natürlich wieder an einer Vending Machine, einen Dosentrunk. Als ich die leere Verpackung dann aber loswerden wollte, merkte ich zum ersten Mal, was ich in jeder Stadt vermisste: Mülleimer. An jeder Ecke gibt es einen Getränkeautomaten, aber meist keinen Eimer, um die entleerten Bleche aufzunehmen. Nach einigem Suchen entdeckten wir eine überfüllte Müllbox, aber das war wirklich die Ausnahme. Für den Rest der Reise entsorgten wir meist die Reste im Eimer unseres jeweiligen Ryokans.

Liegengelassen (schon wieder)

An einer Stelle des Weges legten wir eine kleine Pause ein, um ein paar Kekse zur Stärkung einzuwerfen. Nach der Pause ging es mit frischer Kraft weiter, allerdings ohne Fotoapparat, den ich an unserem Rastplatz liegengelassen hatte. Das fiel uns aber erst nach einigen Minuten auf, als Eva wieder einige Kirschblüte knipsen wollte.

Schrecksekunde! Gleich zu Anfang unseres Urlaubes die Kamera weg, zusammen mit den bereits belichteten Bildern der ersten Woche. Aber ähnlich wie beim vergessenen Diktiergerät in Kamakura waren auch diesmal die Sorgen unbegründet. Die Kamera lag nach 20 Minuten noch unbeschadet an ihrem Platz. Japan scheint tatsächlich so sicher zu sein wie immer behauptet wird.

Der erste Abend

KyotoSo plätscherte der erste Tag in der Tempelstadt dahin, und es wurde langsam abend. Nach so viel spazieren wollten wir den Bus zurück nehmen, was ja wie beschrieben billig war. Allerdings hatten wir die Rush-Hour nicht bedacht, die es neben den Bahnen auch in den Bussen gab. In den Bahnen ist es jedoch erstens einfacher, den Namen der Station mitzubekommen, und zweitens einfacher, den Wagen zu verlassen. Zwar waren wir meist grösser als die mitfahrenden Japaner, die sich aber als sehr standhaft erwiesen und als echtes Hindernis auf dem Weg zum Ausgang erwiesen. Wichtigste Worte in diesem Zusammenhang, möglichst laut zu rufen: "Chotto matte, orimasu!" (Einen Moment, ich steige aus!).

Gasse mit roten LampionsAbends schlenderten wir dann auf der Suche nach einem Restaurant durch kleine Gassen, grosse Einkaufsstrassen, um dann doch wieder in die kleinen Gassen einzutauchen. Oft hingen rote Lampions an Türen. Schliesslich betraten wir einen kleinen Nudelladen (das Wort Soba konnte ich am Eingang lesen). Gar nicht touristisch und leider nur japanische Speisenbeschriftung an der Wand, wovon ich nur den Preis lesen konnte. Wir bestellten dann einfach Soba, und siehe da, es klappte. Zumindest sind wir satt geworden.

Für den nächsten Morgen betraten wir noch eine Bäckerei und suchten einge leckere Häppchen für das kommende Frühstück, zum Beispiel mit Würstchen gefüllte Blätterteigtaschen (eher was für mich als für Eva).

Daitokuji

DaitokujiNach dem Erlebnis mit den kleinen Silberfischchen in Ise sparten wir uns fortan also das (auch nicht ganz billige) japanische Ryokan-Frühstück und setzten meist auf einheimische Backwaren, die wir am Vortag einkauften.

Jetzt tauchten wir so richtig in die Tempel ein, die wir schon aus unseren Reiseführern kannten. Zunächst besuchten wir den Daitokuji im Nordwesten von Kyôtô. Daitokuji ist eigentlich ein ganzer Tempelkomplex mit insgesamt 24 Nebentempeln, von denen wir aber nur einige besichtigt haben. Am besten haben mir die Gärten des Daisenin und des Kotoin gefallen. Da wir relativ früh die Tempel betraten, konnten wir ungestört die Schönheit der Natur geniessen.

Ryoanji

RyoanjiDas nächste Highlight erwartete ich mit besonderer Spannung, was wohle viele Leute erstaunt: Ich freute mich, einen Zen-Garten zu sehen, wo in einem orgendtlich gepflegten Kiesbett 15 Steine die Welt bedeuten sollen.

Mönch mit SchulklasseAls wir den Garten betraten, erläuterte gerade ein japanischer Mönch einer Schulklasse die Bedeutung des Gartens. Das Rätsel, was mich am meisten beschäftigte, war, tatsächlich 15 Steine zu zählen. Was Sie auf dem Bild nicht genau erkennen, konnte ich damals vor Ort auch nicht besser ausmachen. Ich habe jedenfalls nur 13, vielleicht 14 teils moosbewachsene Steine gezählt. Dennoch kann der Anblick dieses Gartens sicherlich beruhigend auf das Gemüt wirken, wenn man sich einfach meditierend der Atmosphäre hingibt (und einem nicht gerade eine 30-köpfige Schulklasse im Nacken sitzt).

Der goldene Tempel

KinkakujiSchon wieder ein faszinierender Ausblick, der die Fotos unserer Guides bestätigt. Vom Steingarten gingen wir weiter zum goldenen Tempel, dem Kinkakuji, der 1397 erbaut wurde, dann aber 1950 von einem leidenschaftlich "entflammten" Mönch niedergebrannt und 1955 originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Die oberen beiden Stockwerke sind mit echten Blattgold beschichtet.

Aber das ist noch nicht alles. Den Tempel umgibt ein kleiner See, und auf der Rückseite folgten wir einem Wanderweg durch den Garten, zusammen mit vielen weiteren Touristen. Der Tag war mittlerweile schon vorgeschritten und lockte viele Menschen zum Tempel.

Gegen 15 Uhr trafen wir dann am Imperial Palace ein, um einmal zu testen, wie unsere Chancen standen, hineinzukommen. Laut unserem Reiseführer war es nötig, sich anzumelden. Aber der Palace war schon geschlossen. Daher nutzen wir die Gelegenheit, um uns den Heian-Schrein anzusehen.

Heian-jingu

HeianDer Palast, 1895 erbaut zur 1100-Jahrfeier der Stadt Kyôtô, wurde als ein Drittel kleinere Kopie des Kaiserpalastes aus der Heian-Zeit gebaut und leuchtet mit seinem Orange und dem grünen Dach schon von weitem. Aus unserem Foto wirkt es leider etwas blass, weil zum Zeitpunkt unserer Ankunft dunkle Wolken aufzogen, was uns natürlich nicht abschrecken konnte. "If you make Hakone in rain, you make it everywhere...".

Kirschblüte am Heian-SchreinNeben dem schönen Schrein erfreuten wir uns vor allem, wieder mal, am schönen Garten, der von den Blüten zahlreicher Kirschbäume regelrecht überdachte wurde. Im Garten führend Wanderwege unter diesem Blütendach und um einen kleinen See herum. Allerdings wurden die Wolken immer dichter, so dass schliesslich auch die Kirschblüte nicht mehr dagegen anleuchten konnte und wir uns wieder ins Ryokan zurückzogen, um dort eine kleine Waschorgie zu veranstalten.

Abendessen auf der Shijo-dôri

Vor dem Abendessen wollten wir noch etwas auf der Einkaufsstrasse Shijo-dori Flanieren, hatten aber keine Lust, nach dem ereignisreichen Tag den Weg zu Fuss zurückzulegen. Also setzten wir uns faul in ein Taxi. Die Fahrt kostete etwa 900 Yen, das war damals etwa 12 DM, wenn ich mir recht entsinne.

Nach einigem hin und herlaufen zwischen vielen Japanern und wenigen Touristen entschlossen wir uns, im Kaufhaus Hankyu nach einem Restaurant zu suchen. In vielen Kaufhäusern ist das oberste Stockwerk reserviert für zahlreiche kleine Restaurants, von denen auch viele alle Gerichte in lebensechtem Plastik geformt hinter einer Scheibe stehen haben.

An jenem Tag entschieden wir uns für eine Spezialität der Gegend, für Okonomiyaki, eine Art Pfannkuchen mit beliebiger Füllung. Normalerweise können die Kunden die Zutaten wählen und dann alles am Tisch selbst zubereiten. Nachdem wir aber die japanische Anleitung gesehen und trotz ausgiebiger Bebilderung nicht so recht nachvollziehen konnten, wählten wir eine Alternative. Wir liessen einen Koch den Kuchen backen. Schmeckte interessant, vor allem mit der Sosse, aber insgesamt war es eben nur ein Pfannkuchen.

Eine Maiko

Die beginnende Dunkelheit nutzten wir noch für einen Spaziergang auf der Shijo-dori Richtung Gion. Und tatsächlich, nach angestrengtem Suchen konnten wir einige Sekunden einen Blick auf junge Maikos (oder Geishas?) werfen, die vor uns aus dem Auto stiegen und im Handumdrehen in einem der mit einem Lampion beleuchteten Eingänge verschwanden. Diese Begegnung mit den Gesellschaftsdamen blieb aber unsere einzige. Durch die schummrigen Gassen hindurch erreichten wir gegen 10 Uhr abends wieder unser Ryokan.

Nur so am Rande: Für die Gänge im Ryokan bekamen wir Schlappen, die wir aber vor der Zimmertüre parkten, da der Zimmerboden mit Tatami ausgelegt war. An einem Morgen hatten sich unsere zwei Paar plötzlich vermehrt! Vor der Türe standen 5 statt 4 Schlappen. Dafür hatte unser (japanische) Nachbar nur noch 3 statt 4...bei dem nächtlichen WC-Gang ist im Halbschlaf wohl der Fuss in den falschen Schlappen geraten. Nun, der Nachbar hat sich nichts anmerken lassen. Vielleicht ist er mit einem Bein zur Toilette gehüpft?

Kaiserpalast

KaiserinFür den nächsten Tag haben wir uns, da wir am Vortag vor verschlossenen Türen standen, die Besichtigung des Kyoto Imperial Palace vorgenommen. Laut Reiseführer benötigten wir eine Besichtigungs-Erlaubnis, die bei der Imperial Household Agency abgeholt werden sollte. Als wir dort jedoch ankaumen, erklärte man uns, es sei keine Erlaubnis erforderlich. Ob es damals eine Ausnahme war, kann ich allerdings nicht sagen.

Vor dem Eingang in den Palast mussten wir erst die Sicherheitskontrollen überwinden. Unsere Taschen wurden untersucht, und wir wurden abgetastet. Nach dieser Prozedur betraten wir das ummauerte Gelände und marschierten mit anderen Touristen und Schulklassen um Gebäude herum, die teilweise offenstanden und einen Blick ins Innere freigaben. An einer Stelle begrüssten uns stumm lebensgrosse Puppen, gekleidet nach alter Sitte in viele Lagen Stoff, sowohl die Damen (natürlich bunter) als auch die Herren.

KyotoEine ganz andere Kleiderordnung fand sich an jenem Tag mit uns im Besucherstrom. Was ich zuvor nur im Fernsehen in Japan-Dokus gesehen hatte, erlebte ich dort live: Die Faszination des Navy-looks, demonstriert von einer Mädchenklasse.

Kiyomizu-dera

MönchDas Highlight des Tages sollten wir an jenem Tag erst Abends erklimmen. Wieder liessen wir uns von einem Taxi chauffieren, allerdings nur bis Anfang der leicht bergauf führenden Strasse, die hinaufführt zum Kiyomizu-dera. Die Strasse war eng, voller Pilger und gesäumt von zahlreichen Souvenirläden und Imbiss-Ständen. Wo so viele Menschen vorbeilaufen, fanden sich auch einige Mönche, die ihre Schalen bereithielten.

Die Strasse endete schliesslich vor ein paar Stufen, von denen es zur eigentlichen Anlage des Tempels hinaufging. Wir folgten einfach den anderen Besuchern und genossen einen wunderbaren Ausblick auf das von Bergen umrahmte Kyôtô. Je weiter wir uns vom Fujiyama entfernten, desto besser schien das Wetter zu werden!

KyomizuderaEntlang der Gebäude des Tempels führt ein Weg den Wald hinauf, den wir bis zu einer Pagode folgten, die in einiger Entfernung gegenüber des auf vielen Fotos dargestellten Holz-Balkons lag. Die Pagode selbst war nicht besonders sehenswert, aber der Ausblick auf den Tempel und Kyôtô war recht schön.

Nach so viel Kultur brauchten wir abends ein wenig Kontrast, daher widmeten wir uns der Esskultur eines japanischen McDonalds. Genauso wie bei uns, bis auf eine leckere Ausnahme: Teriyaki-Burger, die japanische Variante des Hamburgers mit einer würzigen, süss-sauren Sosse. Mal etwas anderes als Nudeln.

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