Ryokô - Reise

Yokohama - Yokohama

Der auf der Zugfahrt nach Yokohama gewonnene Eindruck der zahlreichen Wohnblocks aus Beton in trostlos wirkender Nachbarschaft änderte sich auf der Fahrt zu Tsutomus und Shinobus Haus. Wie sich zeigte, lag ihr Haus in einer netten Wohngegend, und hätten sie uns an einer Straßenecke ausgesetzt, wir hätten weder das Haus noch jemals den Weg zurück zum Bahnhof gefunden.

Shinobu lenkte den Wagen durch schmale Straßen zwischen Einfamilienhäusern hindurch, die für uns alle irgendwie gleich aussahen, und mindestens die Hälfte der Straßen schienen Einbahnstraßen zu sein. Nach einer halbstündigen Fahrt präsentierten sie uns stolz ihren großen Parkplatz, der auf einem unbebauten Gelände nur wenige Fußmeter von der Wohnung entfernt lag.

Nachdem wir unsere Rucksäcke abgeladen hatten, brachen wir sofort wieder auf, um unser erstes Mittagessen auf japanischem Boden einzunehmen. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch an einer Poststelle, um die größten unserer Gastgeschenke schonmal an die Freunde zu schicken, die wir später besuchen würden. Mit knurrendem Magen fuhren wir weiter zur nächsten Überraschung.

Mittags bei Mosburger

Natürlich gibt es auch in Japan Fast Food. Außer Mc Donald kämpfen noch zahlreiche weitere Imbißketten um die Kunden. Eine davon lernten wir schon wenige Stunden nach unserer Landung kennen: Mosburger. Was für ein Einstieg: zuhause in Deutschland verbinden wir Japan eher mit Sushi oder Nudelsuppe, und das erste japanische Gericht ist ein saftiger Burger mit viel Soße. Besser als Big Mac, vor allem mit mehr Inhalt, aber noch schwieriger zu essen. Gespeist wurde jedoch zuhause.

Nach dieser netten Begrüßung und dem Burger im Magen überfiel uns schlagartig eine bleierne Müdigkeit, und wir durften uns eine Stunde aufs Ohr legen. Für die Übernachtung räumten die zwei uns sogar ihr mit einem westlichen Bett ausgestattetes Schlafzimmer. Wir nahmen es sehr dankbar entgegen.

Kotatsu und Sofa

Nach der dringend notwendigen Erholungspause waren wir wieder aufnahmefähig und konnten uns jetzt das Haus genauer anschauen. Die beiden lebten in Shinobus Geburtshaus (lebten deshalb, weil sie mittlerweile in ein modernes neues Haus umgezogen sind). Ihre Eltern sind mittlerweile wieder in ihre alte Heimat, eine Insel nahe Okinawa, zurückgezogen. Auf diese Weise wohnten Tsutomu und Shinobu vergleichsweise geräumig auf zwei Etagen, dafür in einem älteren Stil gebauten Haus mit viel Holz.

Im Haus selbst mischten sich japanische und westliche Elemente mit leichten Vorteilen für westliche Ausstattung, wie wir es in allen Wohnungen beobachten konnten. In der Küche saßen wir auf normalen Stühlen, im Schlafzimmer war das erwähnte gewohnte Bett mit Federkern, im Wohnzimmer wartete daß Sofa. Neben dem Sofa stand der kleine Tisch mit Kotatsu (Kotatsu), einem elektrischen Heizstrahler, die Tischplatte umfaßt mit einer Decke. Wenn man sich an den Tisch setzt und den Kotatsu anschaltet, zieht man sich die Decke über die Beine, so bleibt zumindest die untere Körperpartie mollig warm.

Tsutomu stellte uns frei, wo wir sitzen wollten, und natürlich probierten wir den Kotatsu. Nach kurzer Zeit begannen die Beine jedoch durch die ungewohnte Sitzhaltung zu schmerzen, ebenso wie der Rücken, der sich unbedingt anlehnen wollte. Ein Sofa hat auch seine Vorteile.

Im Tatamiraum, den die beiden jetzt als Schlafzimmer nutzten, stand ein kleiner Petroleum-Ofen. Die Wohnung hatte natürlich keine Heizung. Der Ofen und der Kotatsu waren neben einem warmen Essen die einizge Heizquelle im Haus. Achja - natürlich gab es noch eine wunderbare Methode, sich anzuwärmen.

O-furo

Unser ersters Zusammentreffen mit der Badekultur Japans fand in Tsutomus Haus statt. Natürlich hatten wir vorher studiert, wie wir uns im o-furo (O-furo) zu verhalten haben. Aber wenn man dann zum ersten Mal vor dem Zuber steht und sich auf dem winzigen Höckerchen waschen soll, ist es schon lustig.

Wer es noch nicht kennt: Bevor man sich in die Wanne setzt, muß man sich gründlich, möglichst mehrmals, VOR der Wanne einseifen und wieder abspülen. Man betritt das heiße Wasser immer sauber, da mehrere Leute im gleichen Wasser baden.

In Reiseführern sieht man oft Bilder, wie Japaner auf kleinen Hockern sitzend Wasser in eine Schüssel laufen lassen und sich nach dem Einseifen dieses Wasser über den Kopf kippen, bis auch das letzte Schaumbläschen entfernt ist. Danach steigen sie in die Wanne mit heißem Wasser. Tatsächlich und zum Glück haben wir aber in jedem o-furo auch Duschen vorgefunden, so daß der Hocker nicht notwendig war. Zum besseren Verständnis: ich bin 1,85m groß, und als ich auf einem Standardhocker saß, waren meine Knie auf Ohrenhöhe, keine bequeme Art, sich zu Waschen.

Das Tsutomus Haus schon älter war, hatte er einen hölzernen Zuber als Wanne, gerade so groß, daß eine Person gequem Platz darin hatte. Bei gefüllter Wanne reichte mir das Wasser in der Hocke gerade bis zur Schulter. Über einen Durchlauferhitzer konnte warmes Wasser eingelassen werden, vorausgesetzt, man hatte den Erhitzer vorher eingeschaltet.

Wenn man frisch gewaschen in das heiße Wasser steigt, ist der erste Moment vielleicht schmerzhaft, aber anschließend herrlich angenehm und wärmt für Stunden. Ich weiß gar nicht, warum wir das in Deutschland noch nicht eingeführt haben.

Eine wesentliche Umgewöhnung war für uns übrigens die Zeit der Körperwäsche. Wir waren gewohnt, morgens zu duschen, um so richtig wach zu werden. Japaner genießen es dagegen, abends nach der Arbeit in das warme Bad zu steigen und sauber ins Bett zu gehen. Hat auch etwas.

Abendessen

Zur Feier des Tages hatte Shinobu allerlei Leckereien für das Abendessen vorbereitet. Nicht ein festes Menü wurde serviert, sondern viele Schälchen mit Fleisch- und Gemüsegerichten. Sehr schmackhaft und ziemlich gesund.

Nach dem Abendessen planten wir den nächsten Tag. Wie alle Gastgeber wollten die zwei uns auch einiges zeigen. Das Ziel für den Sonntag war...Kamakura.

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