Ryokô - Reise

Kansai Airport - Kansai Airport

Kyoto TowerAm nächsten Morgen starteten wir also mit unseren schweren Rucksäcken und dem Postpaket zu Bahnhof Kyoto, direkt gegenüber des Kyoto Towers. Irgendwie hatten wir jedoch dem Taxifahrer nicht richtig klargemacht, dass wir zum Bahnsteig des Shinkansen wollten, der zum Kansai Airport fährt, denn er setzten uns auf der Rückseite des Bahnhofes ab.

Das erschien mir noch nicht das Problem zu sein. Wir gingen also auf dieser uns unbekannten Seite herein, aber weder Hinweisschilder noch Menschen konnten wir finden, nur schmale, kleine Gänge und leere Passagen. Wir entschieden uns also für einen Gang und folgten ihm. zum Glück sahen wir einen uniformierten Bahnhofsangestellten und fragten nach dem Weg. Er wies in eine Richtung, und wir dachten: gerettet.

Nach einigen Metern wurde der Gang jedoch immer enger, und es sah eher nach einem Fluchtweg als nach dem Zugang zum Shinkansen aus. Also schritten wir den gleichen Weg wieder zurück, um dann einen weiteren Angestellten zu finden und nach dem Weg zu fragen. Dieser Herr wies genau in die Richtung, aus der wir kamen. Das versuchte ich ihm auch begreiflich zu machen. Statt einer Antwort setze er sich einfach in seinem Stuhl zurück, kreuzte die Arme über seiner Brust und sah mich mit geschlossenem Mund an. Keine Hilfe zu erwarten... Die Rucksäcke und Taschen wurden immer schwerer, und uns lief langsam aber sicher die Zeit davon.

Die rettende Treppe

Wir folgten dann doch wieder dem Weg zurück und fanden eine aufwärts führende Treppe, und tatsächlich wurde die Passage größer, und wenige Augenblicke später fand ich ein Hinweisschild mit der Aufschrift Shinkansen und der Gleisnummer, keine Minute zu früh, den wir erreichten gerade rechtzeitig den Zug, bevor er losfuhr. Das fing ja gut an, dachte ich, wir sitzen noch nicht mal im Flieger und sind schon mit den Nerven zuende.

Endlich im Shinkansen

Nach diesem Schreck wollte ich mich endlich entspannen, denn die Fahrt von Kyoto zu vor der Küste von Osaka liegenden Kansai Airport dauert mit dem Haruka-Flughafenexpress etwa 75 Minuten, genug Zeit, um neue Kräfte zu schöpfen.

Leider hatten wir nicht die Fahrgäste mit einkalkuliert. Eine japanische Familie mit drei Kindern hatte um uns herum Platz genommen, und die Kinder waren nicht nur unruhig, sie tobten herum, kreischten und schrien, schubsten und prügelten sich die ganze Fahrt über. Wir hatten eigentlich nur einen Gedanken: Hoffentlich fliegen sie nicht in unserem Flugzeug mit!

Kansai Airport

Kansai AirportSchließlich hatten wir es geschafft, waren frühzeitig am Flughafen und erreichten die Passkontrolle. Natürlich hatten wir vergessen, unsere Einreisegenehmigung für die Abreise auszufüllen, und der Beamte schickte uns auch direkt unwirsch weg, so dass wir uns wieder hinten anstellen mussten. Nun, nach dem Morgen konnte uns das nicht mehr schocken, und nach dem passieren der Kontrolle, den Einchecken der schweren Rucksäcke und des Paketes fühlten wir uns plötzlich ganz befreit und tatendurstig. Wir zählten unsere letzten Yen und stöberten durch die Flughafen läden, um sie auszugeben.

Flughafengebühr?

Langsam aber sicher wurde es Zeit, zum Flugsteig zu gehen, und wir machten uns auf die Suche nach dem richtigen Eingang. Auf unsere kurze Nachfrage am Informationsschalter schickte uns die junge Dame in eine Richtung, der wir folgten. Die Nummer des Steiges gab es zwar, aber unseren Flug nicht! Ich fühlte schon wieder eine leise Panik aufkommen, aber nach etwas Suchen fanden wir dann, genau auf der entgegengesetzen Seite, unseren Gate. Wir mussten nur eine Schranke passieren.

Diese Schranke konnte aber nur passiert werden, wenn man eine Karte hatte, die man am nebenstehenden Automaten gekauft hatte, der die Flughafengebühr von etwa 2000 Yen in Cash kassierte. Die letzten Yen hatten wir aber gerade eben ausgegeben, in gutem Glauben, nichts mehr zu benötigen. Erster Gedanke: Keine Panik! Ich lief (mittlerweile hatte ich diese schnellere Gangart eingeschlafen) in der Nähe der Schranke auf und ab, und sah durch Zufall ein kleines Häuschen, in dem Mann auch mit Kreditkarte die Gebühr entrichten konnte.

Endlich kam ich also mit den Durchlasskarten zurück, und wir rannten weiter zum Gate.

Ah, Otto-san?

Das Gate war bis auf zwei Stewardessen und einem Beamten schon komplett leer, sie schienen nur auf uns gewartet zu haben. Eine Dame gab kurz etwas über ihr Funkgerät durch, wahrscheinlich, dass die verlorenen Seelen gefunden worden waren.

Allerdings war weit und breit kein Flugzeug zu sehen. Das war auch richtig, denn nun mussten wir erst in eine kleine Flughafenbahn einsteigen und eine Rundtour durch den Flughafen fahren, um endlich unser Flugzeug zu erreichen. So waren wir die letzten Passagiere, nach uns wurde direkt die Tür geschlossen. nach dieser Tour war es uns jedoch egal, hauptsache, wir saßen wieder im Flieger.

An den Rückflug kann ich mich gar nicht mehr so recht erinnern, nur, dass wir diesmal unbedingt den Ural fotographieren wollten, die französische Stewardess jedoch immer die Jalousie wieder runterklappte, weil sie es dunkel haben wollte im Flugzeug.

Wieder in Europa

Als wir den Landeanflug auf Paris begannen, konnten wir uns ein Grinsen nicht verkneifen. Endlich wieder ein Europa, wo wir die Leute verstehen! Wie sich aber sogleich zeigte, hatten wir uns zufrüh gefreut. Noch vor der Landung kam die Durchsage, daß die Passagiere mit Weiterflug Köln (also wir) bitte zuerst aussteigen sollten, weil unsere Maschine schon Verspätung hatte und wir sonst den Anschlußflug zum Flughafen in Köln verpassen würden.

Das war uns eigentlich ganz recht, aber wie ernst die Lage war, wurde uns erst klar, als wir nach dem Aussteigen eine Dame mit dem Schild "Cologne" sahen, die heftig winkte und eine Handvoll Reisende einsammelte. Sie sagte, dass sie uns mit ihrem Wagen direkt zu unserem Gate bringen würde, weil das Flugzeug schon warten würde. Und so hasteten wir der netten Dame hinterher, stiegen in ihren Wagen und bekamen eine Privatfahr durch den Flughafen Charles de Gaulle.

Erst als wir nach dieser Exklusivfahrt endlich in der halbleeren Maschine nach Köln saßen, kam uns der Gedanke in den Sinn, was wohl mit unserem Gepäck passiert war. Ob wir es in Köln wiedersehen würden? Doch das Umladen der Gepäckstücke hatte funktioniert, und endlich waren wir wieder an den Ausgangspunkt unserer Reise zurückgekehrt.

Nach den vier Wochen in Japan, wo wir fast alle zwei Tage woandershin gefahren sind, so viele Eindrücke mitgenommen hatten, war ich zumindest ziemlich erschöpft, und vor allem froh, nicht mehr aus dem Rucksack leben zu müssen. Aber die Reise war faszinierend, auch wenn wir mit vielen Problemen zu kämpfen hatten. Wir denken gerne an die Zeit zurück! (Meine Frau sagt: Ich bin froh, dass ich das überlebt habe...)

Zum Glück hat meine Frau alle unterwegs gesammelten Unterlagen, Fotos, Eintrittskarten und Postkarten in zwei Ordner eingeklebt. Ohne diese Ordner und die etwa 1000 Dias, die sie unterwegs geschossen hat, wäre der Reisebericht in dieser Form nicht möglich gewesen.