Ryokô - Reise

Tôkyô - Tokyo

Durch das Donnertor

AsakusaDa laut unserem Reiseführer der günstigste Weg nach Nikko, unserem nächsten Reiseziel, mit der privaten Tobu-Nikko-Linie vom Tobu-Hochhaus startete, fuhren wir zusammen mit Ichirô von Sagamihara aus in das große Tôkyô. Die Bahnfahrt zum Asakusa-Bahnhof offenbarte wieder einmal die enge Betonwüste, die scheinbar nur durch die endlosen Stromkabel zusammengehalten wird. Japan hat sicher viele schöne Fleckchen, aber auf einer Bahnfahrt in die großen Städte bietet sich einem meist nur Bauchaos.

Hat man den Zielort jedoch erreicht, wird das Umfeld wieder interessanter. Ichirô führte uns ein wenig durch Asakusa (asakusa), wo er sich, bedingt durch sein Studium, gut auskannte. Er führte uns zuerst zum bekanntesten Tempel von Asakusa, dem Sensôji (Sensouji) oder auch Asakusa-Kannon - Tempel, denn dort befindet sich ein goldenes Abbild der Sho Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit.

Kaminari-MonBei Eintritt in das Tempelgelände, durchschreitet man zuerst ein großes, rotes Tor, das Kaminarimon (Kaminarimon - Donnertor). Der Name "Kaminarimon" steht in Schriftzeichen auf einer riesigen roten Laterne, die mitten im Tor hängt. Auf der rechten Seite des Tores soll der Gott des Windes (Fujin), auf der linken Seite der Gott des Donners (Raijin) dargestellt sein. An jenem Tag jedoch schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, die Götter waren uns also gnädig.

Kinder in AsakusaVom Donnertor aus führt eine mit Souvenirläden bepflasterte Straße kerzengerade auf das Haupttempelgebäude zu. Auf dem Weg zum Tempel sahen wir auf der linken Seite Schulkinder mit ihren Eltern wie bei einer Einschulungszeremonie. Alle Kinder waren in die gleichen kleinen Uniformen gekleidet, mit der Ausnahme, daß Jungen blaue Hüte und Mädchen pinkfarbene Hüte anhatten. Schon im zarten Alter werden Kinder auf Gleichheit getrimmt.

Direkt vor dem Tempel sammelten sich viele Menschen um einen großen Weihrauchkessel und fächerten sich den Rauch über Kopf, Schulter, ins Gesicht und manchmal auch über den ganzen Körper. Der Rauch soll vor Krankheiten schützen. Diesen Kesseln begegnet man immer wieder vor Tempeln, und das Zufächeln von Rauch scheint beinahe ein Ritual zu sein wie bei uns das Abstreifen der Schuhe auf der Matte vor dem Eintreten in die Wohnung.

Links vor dem Tempel hatten wir noch einen schönen Blick auf eine fünfstöckige Pagode. In Pagoden wurden oft die letzten Überreste von buddhistischen Weisen aufbewahrt. Für mich waren es eher Erkennungszeichen von buddhistischen Tempeln und vor allem durch die schlanke Bauweise schön anzuschauen.

Nach diesen ganzen Ausblicken bekamen wir doch ein wenig Appetit und beschlossen, vor unserer Weiterfahrt noch ein Mittagessen einzunehmen.

Kalte Nudeln

Ein preiswertes Essen findet man zum Beispiel in den zahlreichen Nudelshops in Japan. Das alleine wäre noch nichts besonderes gewesen, aber wir lernten durch Ichirô jetzt eine neue Variante kennen: Zarusoba, kalte Buchweizennudeln.

Die Nudeln werden nach dem Kochen in fließendem kalten Wasser abgeschreckt und gekühlt. Dazu wird eine Soße bestehend aus Dashi, Mirin, Zucker und Soyasoße gekocht und danach abgekühlt und aus dem Kühlschrank serviert. Die Nudeln werden kurz in die Soße getunkt und dann gegessen. Das Gericht ist besonders im Sommer beliebt, als Abkühlung. Uns hat es so gut geschmeckt, daß wir auch zuhause oft Zarusoba essen.

Nach dem Mittagessen gingen wir zum Bahnsteig im Tobu-Hotel, und zum ersten Mal während unserer bisherigen Reise waren wir ganz allein auf uns gestellt. Wir freuten uns schon auf die Zeit, wo wir ganz alleine entscheiden konnten, was wir wo und wann sehen möchten. Allerdings hatten wir auch niemanden, den wir bei Problemen direkt ansprechen konnten. Mit meinen geringen Sprachkenntnissen kamen wir aber gut zurecht.

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