Ryokô - Reise

Tôkyô - Tokyo

Rund um Ueno

Tokyo RyokanNach der ländlichen Idylle in Nikko wurden in Tôkyô wieder in die graue, verregnete Realität einer Grossstadt zurückgeholt. Mit einem Taxi fuhren wir zu unserem nächsten Ryokan Katsutaro direkt neben dem Ueno-Park. Dieses Ryokan war erwartungsgemäss einfacher ausgestattet als das Turtle Inn in Nikko, aber für einen vernünftigen Preis recht gemütlich. Das Foto zeigt mich im Tatami-Wohnraum, hinter mir die Futons im kleinen Schlafzimmer, rechts die dunkle Höhle zum Waschbecken und zum Bad mit Dusche. Nicht im Bild ist der Petroleum-Ofen, der beim Anzünden stank wie Golf-Diesel beim Anlassen.

Nach dem Auspacken der Klamotten marschierten wir durch den verregneten Ueno-Park Richtung Nationalmuseum Tôkyô. Das Interessanteste am Museum waren der Getränke-Automat, der sowohl heissen Tee aus Dosen wie auch das Erfrischungsgetränk Calpis anbot, das wir probeweise tranken und dann wegschütteten (Ist halt nicht jedermanns Sache...), und die abschliessbaren Schirmständer neben dem Eingang. Bei dem Wetter durchaus verständlich, dass es ungefähr 10.000 Ständer gab.

Das Museum, welches das grösste und älteste in Japan ist, enthält Sammlungen von Kunstwerken und Altertümern Japans und anderen asiatischen Ländern in 42 Ausstellungsräumen (die aber nicht alle zugänglich waren), sowie mehrmals im Jahr wechselnde Sonderausstellungen. Bei unserer Ankunft war Ägypten Thema der Sonderaustellung.

Nach diesem kulturellen Erkundungsgang wanderten wir noch eine Weile durch die Umgebung Uenos und erforschten dann das Basement des Kaufhauses OIOI. Wir hatten bereits vorher gehört, dass es im Basement viele Leckereien zu probieren gibt, aber wir waren dennoch überrascht über die Vielfalt an fritierten Fisch- und Gemüsensorten, Sushi und Sashimi, eingelegten Gemüsen und gebratenen Spiesschen. Kaum hatte ich mich für etwas entschieden und gekauft, gab es am nächsten Stand noch appetitlichere Speisen.

AbendessenAuf diese Weise kamen wir dann um viele Yen ärmer aber mit prall gefüllten Taschen ins Ryokan zurück und verspeisten die gesammelten Häppchen. Für die Verdauung hatten wir übrigens noch Joghurts gekauft, und ein Set mit Plastiklöffeln. Völlig unnötig, wie sich zeigte, denn jeder Joghurt hatte im Deckel einen Mini-Plastiklöffel klemmen. Das Set mit Löffeln blieb also zu. Wir haben es mit nach Hause gebracht und benutzen es heute noch.

Die Yamanote-Linie

Eine gute Möglichkeit, Tôkyô zu erkunden, ist die Yamanote-Linie, die ringförmig einige der interessantesten Stadtviertel anfährt. Da wir unseren Japan Rail Pass benutzen konnten, war es das ideale Transportmittel.

AkihabaraZuerst ging es Richtung Akihabara, der Eletric City, wo wir uns allerdings nicht lange aufhielten. Was mir dabei in Erinnerung blieb, waren die bunten Reklameschilder und die zahlreichen Handy-Läden. Damals habe ich noch gewundert, dass in der U-Bahn alle paar Minuten ein Handy klingelte und zu Teil sehr junge Japaner an jeder Ecke telefonierten. Heute haben wir bei uns auch schon denselben Zustand. Da wir aber nichts kaufen wollten, fuhren wir weiter zum Kaiserpalast.

Der Kaiserpalast

KaiserpalastDas Areal des Kaiserpalastes kam mir angesichts der drangvollen Enge anderer Stadtteile in Tôkyô erstaunlich weiträumig vor. Direkt neben den Hochhäusern des angrenzenden Geschäftsviertels Nihonbashi spazierten wir auf Fussballfeld grossen Kieswegen Richtung Palastgebäuden. Betreten werden kann der Palast von der Öffentlichkeit allerdings nur am 23.Dezember (Kaisers Geburtstag) und am 2. Januar. Daher begnügten wir uns mit dem Foto der schönen Brücke, wobei wir Fotografen abwimmeln mussten, die schon darauf lauerten, Touristen vor der Brücke im Hintergrund abzulichten. Die frei zugänglichen Gärten des Palastes haben wir aus Zeitgründen nicht mehr besucht.

Ginza und Sony Showroom

An der Ginza, wohl die bekannteste Einkaufsstrasse in Tôkyô, legten wir den nächsten Stopp ein, ohne jedoch in einen Kaufraum zu verfallen, wir hatten soewieso keinen Platz in den Rucksäcken. Ich wollte allerdings kurz in den Sony-Showroom. Dort, im Sony-Gebäude, sollten die neuesten Sony-Artikel vorgestellt und zum Ausprobieren bereitgestellt werden. Tatsächlich konnten wir mit den neuesten kleinen Digitalkameras Bilder knipsen und Videos filmen.

Meiji-Schrein

Meiji-Schrein, VorplatzWeiter ging es bis zur Haltestelle Harajuku, von der aus wir zum 1920 errichteten Meiji-Schrein wanderten. Dieser Schrein ist eines der heiligsten Wahrzeichen Japans und liegt in einem grossen Park, der sich auch gut zum spazieren eignet.

Den Eingang bildet ein grosses, schlichtes Holz-Torii. Auch die anderen Gebäude des Komplexes sind eher schlicht, die hölzernen Pfeiler schon etwas verblichen, ein interessanter Gegensatz zum Prunk in Nikko. Diese Schlichtheit entspricht wohl eher der Vorstellung von bescheidenen Schreinen.

Shinjuku Station

ShinjukuLetzte Station der Yamanote-Rundreise war Shinjuku. Dieser Bahnhof soll der unübersichtlichste in Japan sein, und das wollten wir natürlich selbst ausprobieren. Tatsächlich gibt es so viele Ausgänge, dass der Überblick schwerfällt. Wichtig für uns war immer, das grüne JR-Schild zu sehen, da wir mit einem Japan Rail Pass reisten und daher immer die JR-Bahnen benutzten.

Unerwartete Hilfe

In Shinjuku wollte ich unbedingt einen ganz speziellen Buchladen finden. Als wir uns an einer Strassenkreuzung postierten und unseren Stadtplan entfalteten, trat plötzlich ein junges japanisches Pärchen an uns heran und fragte freundlich: "Can we help you?". Nachdem ich meinen Wunsch geäussert hatte, diskutierten die beiden unter Zuhilfenahme eines weiteren Stadtplans, wo dieser Buchladen wohl sei.

Der junge Mann startete dann einen Versuch, uns den Weg zu erklären, aber die beiden entschlossen sich schnell, uns zum Buchladen zu begleiten. So marschierten wir zu dritt die Strasse entlang bis zum Buchladen. Sehr nett!

Der belebte Bahndamm

Bahndamm in UenoAbends wieder am Ausgangspunkt unserer Yamanote-Reise in Ueno angekommen, wanderten wir auf der Suche nach einem Abendessen wieder im Ueno-Viertel herum. Dabei entdeckten wir zufällig einen Bahndamm, unterdem sich zahlreiche Händler niedergelassen hatten. Neben Patchinko-Spielhallen gab es Kleiderhändler, Gemüseläden und Fischverkäufer, die sich alle dichtgedrängt unter die Bahnschienen schmiegten.

Beim Schlendern durch die enge Strasse an diesem Bahndamm hatte ich das Gefühl, in einer der grössten Städte der Welt zu sein, völlig verloren. Hier konnte ich nachempfinden, dass Tôkyô eigentlich aus vielen kleinen Städten besteht, die sich immer noch ein eigenes Flair erhalten haben. Wir hatten eigentlich erwartet, viel mehr Hochhäuser zu sehen, aber tatsächlich sahen wir eher schmale Strassen mit niedrigen Häusern, eher eine Provinz als die Metropole.

Kirschblütenfest

Ueno-ParkAuf dem Rückweg durch den Ueno-Park zum Ryokan konnten wir dann nochmal hautnah erleben, was die Kirschblüte für Japaner bedeutet. Tausende von Kirschbäumen blühten im Park, und wir hatten den Eindruck, dass unter jedem Baum eine blaue Plane ausgebreitet war, auf der, Schuhe natürlich ausgezogen, zahlreiche Leute versammelt waren, die bei Musik, Speisen und (sicher alkoholischen) Getränken die weiss-rosa Pracht feierten.

Ueno-PlatzhalterÜberall leuchteten rote Lampions, riesige Sushi-Platten standen zwischen den am Boden sitzenden Menschen, hier und da übten sich offensichtlich Amateursänger an der Karaoke-Anlage. Auch der eher graue Himmel konnte niemanden abschrecken. Die Zeit der Kirschblüte ist nun mal begrenzt. Übrigens sind die Plätze wohl so begehrt, dass jemand auch über Nacht den Platz für seine Kollegen reservieren muss. Wir haben zahlreiche "Platzhalter" wie auf dem Bild unter den Bäumen im Schlafsack entdeckt.

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