Ryokô - Reise

Hakone - Hakone

Wo ist der Fuji?

Kommen wir jetzt zum dunkelsten Kapitel unserer Tour de Nippon. Voller Vorfreude waren wir noch in Tôkyô gestartet, besonders nachdem uns beim Frühstück ein deutsches Pärchen erzählte, dass sie gerade aus Hakone kämen und wie schön der Blick auf den Fuji gewesen sei. Mit dem Zug ging es also gutgelaunt bis Odawara, und von dort mit dem Bus zu unserem Ryokan. Die Haltstelle, gut beschrieben im Japanese Inn Group-Heftchen und im Bus laut durchgesagt und auf einer Anzeigetafel in Kanji angezeigt, lag nur wenige Schritte vom Haus entfernt.

Wie in Tôkyô wurden wir auch hier mit strömendem Regen empfangen. Das Ryokan Fuji Hakone Guest House war jedoch in Ordnung, der Inhaber liess uns auch früher einchecken und erklärte uns, wo wir in der Umgebung was finden und drückte uns gleich eine Sight Seeing Map in die Hand. Wir luden unsere Sachen also in unser Zimmer und wollten die Zeit noch für Ausflüge in die Umgebung nutzen, daher starteten wir sofort wieder.

Ungewollte Rundreise

Der Regen liess leider nicht nach, also nahmen wir zunächst den Bus Richtung Ashi-See nach Togendai. Zwei Ziele in der Umgebung interessierten uns besonders: Wir wollten mit der Seilbahn hinauf auf den Soun-zan und auch die vulkanischen Thermalquellen in Owakudani sehen. Doch eine Nachfrage in Togendai ergab, dass die Seilbahn wegen des schlechten Wetters nicht in Betrieb war.

Das waren prima Aussichten. Den Fuji zu sehen hatten wir uns wegen der Wolken schon abgeschminckt, aber in die Umgebung kamen wir auch nicht. Eva fing schon an, ein kleines bischen sauer zu werden. Wir machten und schliesslich auf den Weg nach Kojiri, direkt am See, um dort nach etwas zu suchen, dass unsere Laune aufheitern konnte. Vielleicht gab es noch eine Möglichkeit, nach Owakudani zu gelangen.

Die grosse Überfahrt

Gab es aber leider nicht. Wir fragten in einer Art Schalterhalle nach, doch bekamen nur die Auskunft, dass auf grund starker Winde keine Busse nach Owakudani fuhren. Also gab es für uns keine Thermalquellen.

Ziemlich niedergeschlagen fragten wir uns, was wir jetzt tun sollten, also uns die Fähre nach Hakone Machi ins Auge viel. Wir fragten, ob wir dort noch mitfahren könnten. Eigentlich war die Fähre schon dabei, abzulegen, aber einer der Beamten griff zum Mikro und funkte die Fähre mit den Worten an: "Chooto matte, Gaijin desu" (Wartet einen Moment, da sind noch Ausländer). Umstehende Japaner grinsten uns an. Wie auch immer, wir rannten noch zügig auf die Fähre.

Ashi-SeeSo etwa wie im Bild rechts hatte ich mir die Atmosphäre vorgestellt. Nun schipperten wir in dichtem Nebel über den feuchten See und wussten nicht recht, was uns erwartet. Immerhin hatte ich noch ein Erfolgserlebnis: Ich sah das rote Torii (im Bild rechts unten).

Nach halbstündiger Fahrt erreichten wir gegen 14 Uhr den Hafen von Hakone Machi. Dort gab es dann die letzte Ernüchterung. Auf die Frage, wann die nächste Fähre zurückfuhr, sagte ein Angestellter lakonisch, dass dies die letzte Fähre für diesen Tag gewesen sei, aufgrund des Windes würde keine Fähre mehr zurückfahren.

Damit war für den Beamten die Sache erledigt, nicht aber für Eva. Laut schimpfend und wütend schlug sie mit ihrem Regenschirm auf eine der gepolsterten Sitzbänke der Wartehalle ein, staunende Blicke der letzten Anwesenden auf sich gerichtet. Eine Minute nach dem Wutausbruch eilte der Beamte zu uns. Wir fragten, wie wir denn jetzt zurück zu unserem Ryokan kommen sollten. Er sah sich die Sight Seeing Map an, die wir im Ryokan erhalten hatten, und malte auf, mit welchen Bussen wir zum Ausgangspunkt unserer Sintflut-Tour zurückkommen konnten. Das dauert vielleicht zwei Stunden, meinte er.

So lernten wir die örtlichen Busse kennen, mussten einmal umsteigen und kamen nach etwa anderthalb Stunden wieder an unserem Ryokan an. Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir mit Trocken werden und lesen.

Versöhnlicher Abschluss

Gegen 8 Uhr abends brachen wir nochmal auf, um ein Restaurant zu finden, um wenigstens von innen warm zu werden, denn es regnete immer noch. Tatsächlich fanden wir ein japanisches Restaurant mit niedrigen Holztischen und einer gemütlichen Atmosphäre. Gleich neben unserem Tisch war in den Fussboden eine Feuerstelle eingelassen, an der ich meine Füsse aufwärmen konnte. Das Essen war ok, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, was wir eigentlich gegessen haben.

Zu guter Letzt benutzen wir vor dem Schlafen noch den Ryokan-eigenen Onsen. Siehe da: Wie uns der Hausherr mitteilte, wurde er gespeist von den heissen Quellen aus Owakudani, daher lag auch gewisser Schwefelgeruch in der Luft. So haben wir doch noch etwas von den Thermalquellen mitbekommen.

Weiter nach Ise...