Ryokô - Reise

Die Reiseplanung

Klar, bevor es so richtig losgeht, sollte eine Reise vorbereitet werden, vor allem, wenn sie so weit weg führt. 4 Wochen sollten es schon sein, darüber waren wir uns einig, und einige japanische Freunde hatten uns eingeladen. Die wollten wir natürlich auch besuchen.

Tokyo und Kyoto wollte ich auf jeden Fall sehen, Yokohama, Sagamihara, Osaka und Kakogawa kamen durch Besuche unserer japanischen Freunde dazu, und Eva wollte Vulkane sehen. Ok, Sakurajima auf Kyushu wäre sicher interessant, aber das war doch sehr weit im Süden. Der Unzen wäre mein Traum gewesen, ist aber nicht so leicht zu erreichen. Also ging es zum Mount Aso bei Kumamoto.

Ich wollte in den 4 Wochen so viele Städte wie möglich sehen, daher reisten wir mit der Bahn und Rucksäcken. Eva hatte zuerst vor, mit einem Leihwagen durch Japan zu fahren, was mir wegen des Linksverkehrs dort nicht recht geheuer war. Außerdem gibt es oft Verkehrsstaus, wie unsere Freunde sagten, daher entschieden wir uns für die Bahn. Kluge Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellte, allerdings verbunden mit dauerndem Rucksack-Schleppen. Man kann nicht alles haben.

Als Reisezeiten kamen entweder April, die Zeit der Kirschblüte, oder Oktober, die Zeit der Herbstfärbung, in Frage, die wohl schönsten Reisezeiten. Nach Evas Diplomprüfung starteten wir Ende März. Rechtzeitig zum Start der Golden Week am 29. April wollten wir jedoch Japan wieder verlassen, denn in dieser Zeit droht Japan der Reisekollaps, da viele Firmen in der ersten Maiwoche geschlossen sind und mindestens die Hälfte aller Japaner selbst verreisen. Diesen Stress wollten wir uns nicht antun.

Die Reiseroute

Unsere ReisestationenDieser Teil der Reiseplanung hat am längsten gedauert. Zum Teil wurde er vom Wunsch unseres Freundes Tsutomu beeinflußt, uns vom Flughafen Narita abzuholen. Da er mit seiner Frau Shinobu in Yokohama wohnt, lag dort also unser Startpunkt.

Die grobe Route führte uns von Norden nach Süden, genau entgegengesetzt zur Zugrichtung der Kirschblüte, die von Süden nach Norden erblüht. Wir sollten jedoch ausreichend Gelegenheiten finden, die Blüten zu bewundern.

Zur Auswahl der Reiseziele studierten wir zahlreiche Reiseführer und diskutierten viele Routen. Weitere Informationen erhielt ich von der Japanischen Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt, die ich schriftlich um Infomaterial gebeten hatte. Nach einigen Monaten hatte ich endlich eine sinnvoll erscheinende Route zu Papier gebracht.

Unterkünfte

Die Unterkünfte sollten nicht zu teuer sein, andererseits wollte ich in original japanischen Ryokans übernachten, nicht in normalen Hotels mit westlicher Einrichtung. Übrig blieb ein Kompromiss, denn echte Ryokans sind sehr teuer. Die japanische Fremdenverkehrszentrale hatte auch eine Liste von Pensionen und Jugendherbergen geschickt, aber wir buchten in sämtlichen Städten Ryokans der Japanese Inn Group. Die Preise waren hoch, aber für japanische Verhältnisse akzeptabel, so um 5000 - 10000 Yen pro Zimmer (2 Personen), meist ohne Frühstück.

Es gibt neben Ryokans auch Minshukus, die vielleicht etwas familiärer sind. Man könnte auch einmal in einem Kloster übernachten. Wir blieben jedoch bei den einfachen Ryokans, die wir zwar aussuchten, aber über unser Reisebüro buchen ließen. Als Bestätigung bekamen wir grüne Reservierungsscheine.

Sollte man schon vor der Reise alle Unterkünfte reservieren? Diese Frage haben wir uns auch gestellt. Man ist flexibler, wenn man erst vor Ort entscheidet, wo man die Nacht verbringt, aber da wir das erste Mal in diesem Land waren, diente das frühzeitige Reservieren auch zur Beruhigung des Gewissens. Eine Sorge weniger...

Übrigens ist es eine gute Idee, die Adressen aller Unterkünfte in einer Liste mit sich zu führen, und zwar in Deutsch UND in Japanisch. Wenn Sie einmal einem Taxifahrer versuchen zu erklären, wie Ihr Hotel oder Ryokan heißt, werden Sie froh sein, wenn Sie dem Fahrer die Adresse einfach unter die Nase halten können.

Japan Rail Pass

Da wir eine größere Strecke zurücklegen wollten, haben wir zwei Japan Rail Pässe vom Reisebüro reservieren lassen. Den Pass, den man nur außerhalb von Japan kaufen kann, gibt es in drei Variationen: gültig für entweder 7, 14 oder 21 Tage. Das Nachrechnen, wie lange der Pass benötigt wird, lohnt sich, denn er ist nicht billig. 7 Tage kosten 2. Klasse für Erwachsene etwa 28000 Yen, 14 Tage 44000 Yen und 21 Tage immerhin 57000 Yen (Stand 1997). Wenn Sie nicht gerade mit dem Shinkansen fahren, kommen Sie vielleicht ohne den Pass billiger ans Ziel. Wir entschieden uns für einen 7 Tage und einen 14 Tage Pass, da wir eine Woche mit Freunden unterwegs sein würden.

Den Pass erhält man in Japan an einem JR (Japan Railway)- Schalter in Bahnhöfen großer Städte im Tausch gegen den Reservierungsschein (Exchange Order for Japan Rail Pass). Überlegen Sie gut, wann Sie den Schein einlösen, denn beim Ausstellen des Passes müssen Sie sich entscheiden, wann der Schein gültig sein soll. Der Schein wird nicht erst dann gültig, wenn Sie ihn zum ersten Mal benutzen, sondern beim Einlösen der Reservierung müssen Sie sich sofort auf einen Zeitraum festlegen.

Jetzt kann es losgehen

Alle Vorbereitungen erledigt? Deutsche benötigen zur Einreise kein Visum, es muß lediglich ein Einreiseformular (Embarkation Card for Foreigner, ), ausgefüllt werden, welches später bei der Reisepaßkontrolle geprüft und in den Paß geklebt wird.

Das Gewicht der Rucksäcke lag übrigens so bei 20 Kilo, was zum Teil auch an den Gastgeschenken lag, die wir eingepackt hatten. Und trotzdem paßte nicht alles in die Säcke. Die größten Geschenke verpackten wir in eine Postkiste, die wir als Gepäck aufgaben. Zum Glück kam alles heil an. So langsam kamen wir in Urlaubsstimmung.

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